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 Betreff des Beitrags: Weitwandern - Etappe Karpathos
BeitragVerfasst: Mi 11. Feb 2015, 21:37 
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Wenn man eine Ehefrau hat, die etwas weiter weg geboren ist (Gulaim, Mitte):

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kann man ja auf die Idee kommen, dort mal zu Fuß vorbeizuschauen. Wenn das Ziel allerdings Kirgisien ist, dauert das schon etwas länger. Und wenn man dabei durch Europas schönste Gegenden wandern will, kommt man - wie wir alle wissen - an Karpathos nicht vorbei. Auf der Website von Jochen und Gulaim ist das schön nachzuvollziehen :)

Darüber hinaus hat Jochen auch einen Kurzbericht über diese Etappe verfasst, den er dankenswerterweise unserem Forum zur Verfügung gestellt hat. Hier sein Tagebuch:

Karpathos, Wanderung von Afiartis nach Tristomo
27.-31. Dezember 2014


Die relativ kleine Insel Karpathos in der südlichen Ägäis war für uns ein ganz besonderes Highlight auf unserer langen Wanderung von meiner süddeutschen Heimat nach Kirgistan. Wir haben diese Etappe zum Jahreswechsel 2014/15 durchgeführt und sind durch diese Insel von Süden nach Norden gewandert.
Sehr angenehm waren die ausgezeichneten Wegmarkierungen und das gute Wegenetz, das für unser Vorhaben der Inseldurchquerung hervorragend geeignet war, ebenfalls die von uns gewählte Winter-Jahreszeit. Wir sind übrigens keinen anderen Wanderern begegnet. Die größte Herausforderung waren heftige Windböen und gelegentliche, intensive Regenschauer.
Unsere 6- und 17-jährigen Kinder, sowie unser Aupair-Mädchen haben uns begleitet. Während unserer Wanderung logierte unsere Jugend in einer schönen Unterkunft in Arkasa und konnten sich am Strand vergnügen oder durch das Dorf bummeln. Meist sind wir abends immer wieder zu unseren Kindern zurückgekehrt und am anderen Tag setzten wir die Wanderung fort.
Franz, der Karpathos-Experte hatte uns freundlicherweise bei der Auswahl der geeigneten Wege unterstützt, wofür wir ihm unseren Dank aussprechen. Ebenfalls gilt unser Dank auch Sabina, welche die Reservierungen organisierte und uns viele kulinarische Tipps verraten hat.
Besonderen Dank schulden wir aber auch unseren deutschen Freunden Rena und Nikolas, welche ganzjährig in Arkasa leben und uns mit ihrem „Fahrdienst“ von und zu den Start- und Endpunkten der einzelnen Tagesetappen transportierten. Ohne die Hilfsbereitschaft dieses sympathischen Paars, welches ganzjährig in Arkasa lebt, wäre diese Wanderetappe nur mit erheblich größerem Aufwand zu organisieren gewesen.

1. Tag (Flughafen bei Afiartis – Menetes, 11 km, 27.12.2014)

Direkt nach der Landung der kleinen Propellermaschine aus Athen um 8 Uhr wandern wir vom Flughafen los. Im Winter sind die Surferstrände südlich von Kipos Afiartis leer und es ist daher angenehm, hier zu gehen. Wir biegen nach etwa 2 km in westlicher Richtung ab und treffen kurze Zeit später auf den Wanderweg KA5. Angenehm überrascht über die hervorragenden Markierungen finden wir schnell den Weg bergauf zu einem etwa 400m hoch gelegenen Sattel am Kephalas. Der Boden ist zwar mit Steinen und dornigen Büschen bedeckt, doch die Landschaft ist auch weglos unproblematisch zu begehen. Etwas später erreichen wir eine Schotterstraße und nach einem kurzen abwärts führenden Pfad um die Mittagszeit den Ort Menetes.
Unsere Freunde Rena und Nikolas, die unsere Kinder heute früh schon am Flughafen abholten, kommen kurze Zeit später vorbei, um uns nach Arkasa zu bringen.

2. Tag (Menetes – Othos, 8 km, 28.12.2014)

Da die heutige Strecke vergleichsweise kurz ist, wandern wir erst mittags los. Wir starten von der Kirche Agia Triada auf dem KA7-Weg auf einem alten Verbindungsweg zur ehemaligen befestigten Strasse. Nach ca. 2 km passieren wir eine Querstrasse und einen penetrant riechenden Müllplatz. Nach dem Aufstieg auf den Troullos atmen wir wieder angenehme Inselluft und wandern durch eine einsame Berglandschaft, bedeckt mit einem dichten, grünen Phrygana-Teppich, welcher uns an Korsika mit seinen Zistrosen und Erdbeerbäumen erinnert.
Am späten Nachmittag erreichen wir Othos und stärken uns mit einem Glas süßem Karpathos-Wein. Wir erkunden uns nach dem Besitzer einer Windmühle, in welcher ich vor 22 Jahren einmal übernachtet habe. Wir werden fündig, erhalten ein uriges Quartier in der alten, renovierten Mühle und am Kaminfeuer lassen wir diesen Tag ausklingen.

3. Tag (Othos – Spoa, 16 km, 29.12.2014)

Von Othos gelangen wir problemlos nach Volada, verlieren hier aber die Markierung des KA11-Weges. Da die Wolken heute sehr tief hängen und wir keine Lust haben, ein Stück weiter oben ohne Sicht auf dem fast 1000 Meter hohen Kolla-Berg weitergehen zu müssen, entscheiden wir uns, auf der kleinen Teerstraße nach Lastos zu gehen. Auf den nächsten 3 Kilometern begegnen wir außer ein paar Schafen keiner Menschenseele.
In Lastos suchen die Taverna von Thanassis auf. Leider ist der Besitzer seit heute Morgen abwesend und somit verlassen wir den Ort auf dem KA14 in nördlicher Richtung und steigen 900 Höhenmeter bergauf. Der Gipfel des Kali Limni steckt düster in den Wolken. Auf einem hervorragend markiertem Weg, nur knapp unterhalb der dichten Wolkendecke, genießen wir die reizende Landschaft mit riesigen Felsbrocken und Kieferwäldern.
Der kleine Pfad führt nun wieder abwärts und wir treffen nach einer weiteren Stunde auf eine Straße. Von hier ist nur noch ein kurzes Stück nach Spoa, wo wir uns in der „Taverna i folia“ von Anthoula aufwärmen, bis wir von Nikolas und Rena abgeholt werden, welche uns wieder zu unseren Kindern nach Arkasa bringen.

4. Tag (Spoa – Avlona, 22 km, 30.12.2014)

Am nächsten Morgen fahren wir wieder zurück nach Spoa, trinken einen griechischen Kaffee bei Anthoula und machen uns wieder auf dem Weg. Heute ist es sehr windig, aber die Sonne strahlt auf den Ort und die umliegenden Berge und ermutigt uns für die kommende Etappe.
Wir steigen auf einem markierten „KA“-Weg aufwärts zum 700 Meter hohen Berg Kouloura. Wegen der heftigen Böen trauen wir uns nicht, ganz am Rand des Grates zu wandern, sondern halten einen Sicherheitsabstand. Der Pfad führt über einen Sattel und weiter an der östlichen Hangseite. Wir sind wieder angenehm überrascht über die schöne Wegführung und die allgegenwärtigen Reste eines mit Steinen befestigten, ehemaligen Saumweges in luftiger Höhe. Der Abstieg führt auf der westlichen Hangseite des Kephala-Berges entlang, welcher noch im Schatten lag. Der starke Wind machte unseren Abstieg an manchen steilen Stellen zu einem kleinen Abenteuer.
Unten an der Strasse angekommen haben wir einen unmarkierten Schotterweg in einen Kiefernwald eingeschlagen, welcher in der Karte mit Argoni gekennzeichnet ist und bis auf eine Höhe von etwa 150 Metern bergab führt. An einem Hof angekommen biegen wir vom Weg rechts ab. Durch trockene Flusstäler und ein verlassenes Dorf führt ein herrlicher Pfad leicht ansteigend hinüber zum Berg Profitis Ilias. An der westlichen Hangseite wandern wir hoch über dem Meer bis nach Olympos. Nach einer kurzen Pause in einem Kafenion gehen wir noch weiter in das nördlichste, ganzjährig bewohnte Dorf Avlona. Dort angekommen erhalten wir bei der netten Familie Lentaki ein Zimmer und eine Kleinigkeit in der Taverne zu speisen.

5. Tag (Avlona – Tristomo - Avlona, 17 km, 31.12.2014)

Da für heute nicht nur starke Windböen, sondern auch Regenschauer angekündigt sind, ändern wir unsere Pläne. Statt den Küstenweg OL11 nördlich von Diafani und östlich des Orkili-Berges einzuschlagen, wählen wir die etwas einfachere Variante (OL 8) auf einem Schotterweg von Avlona nach Norden und dann über einen atemberaubend schönen Abstieg in eine Ebene mit dem verlassenen Dorf Kilios.
Bei jedem Regenschauer müssen wir blitzschnell Schutz suchen, damit wir nicht klatschnass weiterwandern müssen. Den im Winter unbewohnten Ort Tristomo erreichen wir um die Mittagszeit. Nach einem kurzen Bad im Meer und einem Picknick am Hafen wandern wir etwa 2,5 Stunden 8,5 km nach Avlona zurück. Da sich das Wetter gebessert hat, erreichen wir die Taverne der Lentakis trockenen Fußes! Wir werden nach Arkasa zurückgefahren und wir feiern zusammen mit Rena, Nikolas und unseren Kindern Silvester in einer gemütlichen Hafentaverne in Finiki.
Am nächsten Tag verabschieden wir uns von den Freunden und dieser schönen Insel, die uns bereits ans Herz gewachsen ist. Wir nehmen wieder den Flieger nach Rhodos, wo wir unsere Wanderung fortsetzen werden...

Zur groben Orientierung haben wir uns an die Terrain-Landkarte Nr. 345 „Karpathos & Kassos" 1:60000 gehalten, allerdings mit ergänzender Hilfe von Satellitenbildern und topografischen Karten aus google.maps. Da wir zuvor die zu erwandernden Strecken mit dem Karpathos-Kenner Franz Postlbauer abgleichen konnten, hatten wir ein recht gutes Gefühl, welche Wege zur Winterszeit passierbar sind.
Weitere Informationen und Bilder, sowie eine genaue Landkarte dieser Wanderetappe, befinden sich auf unserer Webseite Via Kirgisia.

Jochen Ebenhoch, 10. Februar 2015

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 Betreff des Beitrags: Re: Weitwandern - Etappe Karpathos
BeitragVerfasst: Mi 11. Feb 2015, 22:09 
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Hey, cool!!

Muss ich jetzt mal in aller Ruhe nachlesen, auch die anderen Etappen.
Bißchen was davon kenne ich auch.

Praktisch wenn man so einen Fahrdienst hat... ;)


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 Betreff des Beitrags: Re: Weitwandern - Etappe Karpathos
BeitragVerfasst: Do 12. Feb 2015, 06:56 
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Einfach SUPER, bin sprachlos und völlig fasziniert. :thumb-up:
Habe mal kurz auf die Seite geschaut; alleine die Idee, die dahintersteckt ist etwas ganz Besonderes.
Und dann liegt Karpathos auch noch auf dem Weg :sensat:
Das werde ich auf jeden Fall lesend weiter begleiten.

Saludos de Andalucía
Kassandra :wink:

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 Betreff des Beitrags: Re: Weitwandern - Etappe Karpathos
BeitragVerfasst: Do 12. Feb 2015, 18:00 
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Registriert: Mi 26. Mär 2008, 09:30
Beiträge: 965
Wohnort: Münsterland
Ein sehr schöner Wanderbericht und eine ausgefallene Idee.
Ich bin beeindruckt - wenn man eine Nummer kleiner anfängt, ist das auch schon mal gut.
Selbst für erfahrtene Wanderer ist das eine Herausforderung.

_________________
Viele Grüße
Jochen


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 Betreff des Beitrags: Re: Weitwandern - Etappe Karpathos
BeitragVerfasst: Sa 14. Feb 2015, 14:52 
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Registriert: So 24. Feb 2013, 19:28
Beiträge: 309
Wohnort: 56075 Koblenz
Es ist immer wieder beeindruckend, auf welche Ideen Menschen kommen.
Diese Wanderung ist unglaublich, super und unfassbar. Respekt!

Aufmerksam wurde ich über http://www.meinkarpathos.eu/joomla/inde ... chten/2015
von unseren Forumsmitgliedern renamarie.

_________________
Gruß Schängel Koblenz
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Make Every Day The Best Day Of Your Life. (Carlos Santana)


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 Betreff des Beitrags: Re: Weitwandern - Etappe Karpathos
BeitragVerfasst: So 15. Feb 2015, 06:58 
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Registriert: Sa 8. Aug 2009, 10:03
Beiträge: 25
Ganz wunderbare Seite mit hervorrragenden Photos.
Z.B. die Bilder von Ostern in Olympos sind die besten, die ich je gesehen habe.
Und ich habe viele gesehen, sehr viele ......


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 Betreff des Beitrags: Re: Weitwandern - Etappe Karpathos
BeitragVerfasst: So 15. Feb 2015, 09:41 
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Registriert: Mi 1. Jan 2014, 16:25
Beiträge: 42
Wohnort: Region München
Wirklich eine überragende Idee.
Schön, dass es soetwas noch gibt. Welch überragende Eindrücke die Beiden mitnehmen werden, lässt sich wohl nicht ansatzweise erahnen.

Grüße,

PaSte

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Wandern, Fotografieren, Entspannen!


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