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 Betreff des Beitrags: Von Mandelbäumen, Tapas und der Policía Local
BeitragVerfasst: Mi 14. Mär 2012, 19:23 
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Langsam neigt sich unser andalusischer Winter dem Ende zu und das mittlerweile warme Frühlingswetter haben wir für ein paar schöne Touren in die Berge der Provinz Almeria genutzt.
Die Mandelbäume haben mittlerweile ihr weißes, rosa oder lila Kleid gegen ein hellgrünes getauscht.
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Mandeln in der Gegend von Uleila

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So weit das Auge reicht - Olivenbäume in Reih und Glied.

Obwohl die Feigenbäume immer noch so aussehen, als sei kein Leben mehr in ihnen, sieht man auch bei manchen von ihnen schon ein paar grüne Spitzen blitzen. Gelber Klee, Ginster und viele andere gelbe Blüten wechseln sich ab mit dem Blau von Lavendel, dem zarten Violett des Thymians und dem lebhaften Rot ganzer Felder von Klatschmohn.
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Und über allem wacht – meistens jedenfalls – ein azurblauer Himmel.
Das Ganze könnte ja paradiesisch anmuten, wäre da nicht die große Trockenheit dieses Winters, die wohl, wenn es in den nächsten 6 Wochen nicht regnet, zu einer folgenschweren Dürre in diesem Gebiet führen wird. Das Cabo de Gata ist ohnehin die trockenste Gegend Europas und seit April 2011 hat es hier so gut wie nicht mehr geregnet.
Die Gebirge, durch die wir in den letzten Tagen kamen, haben zwar keine spektakulären Höhen über 2.000 Meter zu bieten, dafür jedoch unglaublich vielfältige und unterschiedliche Formationen, an denen wir uns auch nach Jahren immer noch nicht sattgesehen haben.
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In Serpentinen geht es auf ca. 1.200 Meter (Nähe Ohanes)

Wenn wir z.B. an den Bergen der Wüste Tabernas vorbeikommen, meinen wir stets, Winnetou käme um die Ecke geritten. Sie sind einfach unbeschreiblich, die Canyons (leider derzeit kein brauchbares Foto), die sich kilometerweit durch die bizarren Sandberge winden. Und alles ohne ein winziges Fleckchen Schatten. Hier möchte man sicherlich eher durchreiten statt zu wandern und die Gefahr des Verlaufens ist ganz sicher auch gegeben. Ach, am liebsten würde ich mit einem langsamen Fluggefährt dicht über diesen „Sand- und Baukasten des lieben Gottes“ schweben.

Aber auch in der schönsten landschaftlichen Gegend muss man für das leibliche Wohl sorgen und das geht hier in Andalusien natürlich am besten mit den vielgepriesenen Tapas. Die besten, so haben wir herausgefunden, gibt es fernab von Touristenorten in den kleinen Bars der Dörfer und Städte, in denen der „normale“ Spanier einkehrt. Natürlich würden diese Etablissements wohl nur selten einer deutschen Ordnungsamtsbegehung standhalten, aber urig und lustig ist es allemal und man kann interessante Beobachtungen machen.
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Diese abenteuerlichen Verteiler mit antiken Mehrfachsteckdosen kenne ich ja schon von Karpathos ;)

Nebenbei sind hier die Tapas häufig auch wesentlich fantasievoller als woanders und oftmals lassen wir uns ganz einfach von Neuem überraschen und sind nur äußerst selten enttäuscht worden. Letztens bekamen wir z.B. eine kleine Portion gebratene Leber zu einer Scheibe Baguette, Fleisch in Tomatensoße, grüne Bohnen mit Schrimps und Ei in Olivenöl, undefinierbare Croquetten, von denen wir annehmen, dass sie aus Kartoffeln, Fisch, Porree und Gewürzen bestanden. Dann gibt es noch das hiesige Standardprogramm von Ensaladilla Rusa (ähnlich wie Kartoffelsalat), Schinken, Käse, Knoblauchkartoffeln, Pinchos, Hamburger, Paella, Muscheln, Schnecken, Meeresfrüchte, sämtliche Fischarten, Tortillas undsoweiter undsofort – die Auswahl an Tapas ist riesengroß. Manchmal zählen die Kellner 12 bis 15 verschiedene Tapa-Sorten auf, da kann man nur irgendwann Stopp sagen, wenn er die Liste von unten wieder neu aufzählt. Ja, das ist schon eine herrliche Tapas-Kultur hier in Andalusien. Allerdings sind sie nicht überall auch kostenlos wie hier und in manchen Orten sind die Preise nicht grade bescheiden. Hier schwanken die Preise z.B. für ein 0,3 lt. Glas Bier oder 125 ml Wein zwischen 1,50 und 2 €, wohlgemerkt einschließlich Tapa! Mit zwei Gläsern Wein, Bier (oder auch Alsterwasser) hat man eigentlich auch schon sein Mittagessen zu sich genommen. Ach, könnten wir doch diese schöne Tapas-Kultur mit nach Hause nehmen.
Heute waren wir noch einmal in Lubrin, einem kleinen Dorf in den Bergen. Mittwochs ist dort immer Markttag und im Dorf wird es voll – auch in der kleinen Bar am Hauptplatz.
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Frische Früchte vom Lubriner Markt - die Erdbeeren schmecken hier tatsächlich schon so richtig nach Erdbeeren :schleck:

Diese „Tränke“ hatte Männe gefunden, als er mal alleine unterwegs war. Natürlich gibt es hier auch gute Tapas – aber nicht nur. Irgendwann hatte mein Freund einen Beamten der Policía Local* neben sich. Ach, guck an, der war letztens auch da, allerdings an der anderen Seite. Und wie schon beim letzten Mal erhielt er zunächst eine 0,33-Flasche Cruzcampo (Bier). Wie, Alkohol im Dienst? Männe grinst mich an. Na klar, im Dienst, hat er letztens auch gemacht. Mit der einen Flasche war es aber noch nicht getan, schließlich ist man ja von einem Tapa nicht satt. Er klopfte zweimal auf die Theke und schwupp, standen zwei neue Flaschen da – eine für ihn und eine für seinen Nachbarn und natürlich auch wieder neue Tapas. „Ich könnte ihm problemlos die Pistole aus der Halterung ziehen“ meinte Männe, der ja bei der Enge der gefüllten Bar fast körperlichen Kontakt zu seinem uniformierten Nachbarn hatte. Notizblock und Funksprechgerät hatte er achtlos an die Seite gelegt, während Handschellen und Knüppel an seinem Gürtel baumelten. „Lass das mal besser sein, du kämest nicht weit und ich könnte dich dann in einem der nicht gerade gemütlichen Gefängniszellen besuchen“ grinste ich ihn an. Nach zwei Flaschen Bier verließen unser Uniformierter und sein Nachbar, der Besitzer des Süßwarenstandes, die Bar. Ach ja, bezahlt hat natürlich der andere und ich werde mich hüten, hierzu jetzt meine Gedanken zu veröffentlichen. :lol:

* Die Policía Local ist für die Erhaltung der öffentlichen Ordnung in den Kommunen zuständig, worunter auch sämtliche Aufgaben des Ordnungsamtes fallen (u.A. Überprüfung von Konzessionen, Einhalten von Gewerbevorschriften etc.)

Liebe Grüße aus dem sonnigen Andalusien
Kassandra :wink:

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Zuletzt geändert von Kassandra Bruja am Do 15. Mär 2012, 09:26, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Von Mandelbäumen, Tapas und der Policía Local
BeitragVerfasst: Mi 14. Mär 2012, 20:12 
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Liebe Kassandra,
mit diesen wunderschönen Bildern und der appetitanregenden Beschreibung der "Tapaskultur" Spanienes hast Du es sofort geschafft, die Vorfreude auf den
nächsten Urlaub zu steigern.
Danke sehr herzlich.
Liebe Grüße von Apela :wink:


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 Betreff des Beitrags: Re: Von Mandelbäumen, Tapas und der Policía Local
BeitragVerfasst: Do 15. Mär 2012, 08:19 
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vielen dank für die teilhabe.
ein sehr schöner bericht!
gruß
joe

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joe


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 Betreff des Beitrags: Re: Von Mandelbäumen, Tapas und der Policía Local
BeitragVerfasst: Do 15. Mär 2012, 17:01 
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Ein schöner Bericht. Aber was hat er mit Karpathos zu tun? :love-aok:


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 Betreff des Beitrags: Re: Von Mandelbäumen, Tapas und der Policía Local
BeitragVerfasst: Do 15. Mär 2012, 18:26 
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Die_Oase hat geschrieben:
Aber was hat er mit Karpathos zu tun? :love-aok:


Richtig, mit Karpathos hat dieser Bericht nichts zu tun,
dafür steht er ja auch in der Rubrik „Rund um Griechenland – und das Mittelmeer – Mediterranes“
Natürlich :love-aok: :jodes:

LG Kassandra :wink:

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 Betreff des Beitrags: Re: Von Mandelbäumen, Tapas und der Policía Local
BeitragVerfasst: Do 15. Mär 2012, 18:28 
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Registriert: Sa 25. Jul 2009, 10:40
Beiträge: 180
@Kassandra,

danke schööööön für den lieben Bericht vom Frühling in Andalusien!
Herrlich zu lesen (natürlich nicht vom Wassernotstand) und die Vorfreude auf "unseren" Frühling zu wecken. Ich finde es so spannend, dass wir hier im Forum auch Forumser haben, die außerhalb GR unterwegs sind.
@Die _Oase: Wir befinden uns hier im "Mediterranen Bereich" und so finde ich es toll, dass Kassandra uns hier an den mediterranen Hochgenüssen von Andalusien teilhaben lässt.

Liebe Grüße
die achata


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 Betreff des Beitrags: Re: Von Mandelbäumen, Tapas und der Policía Local
BeitragVerfasst: Do 15. Mär 2012, 21:42 
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Die_Oase hat geschrieben:
Ein schöner Bericht. Aber was hat er mit Karpathos zu tun? :love-aok:

Wie Kassandra schon schrieb - nichts. Das Forum bleibt natürlich bei seinem Schwerpunkt "Karpathos", aber es ist durchaus auch Platz für mehr - wem es Freude macht, der soll es lesen. Wer nur Beiträge über Karpathos lesen will, kann das ja auch tun ...

Gruß Franz

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Aus der Nachrichtentechnik: entscheidend ist nicht was der Sender sendet, sondern was beim Empfänger ankommt ...


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 Betreff des Beitrags: Re: Von Mandelbäumen, Tapas und der Policía Local
BeitragVerfasst: Fr 16. Mär 2012, 20:16 
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Beiträge: 409
Vielen Dank für diesen wunderschönen Beitrag, leider fand ich ihn zu kurz :lol:
er las sich wie ein gutes Buch, du hast eine tolle Art zu schreiben, beneidenswert.

:dafuer.gif: :klatsch:
Fee


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 Betreff des Beitrags: Re: Von Mandelbäumen, Tapas und der Policía Local
BeitragVerfasst: Fr 16. Mär 2012, 20:55 
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Registriert: So 30. Mär 2008, 19:18
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@Kassandra
... kann mich nur anschließen: stimmungsvolle schöne Fotos und ein wirklich gut geschriebener Bericht!
Und: Das gehört sehr wohl hier hin ... in Mediteranes, nämlich das, was wir alle so lieben ;) :jodes:
LG,
Frank

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Der gesunde Menschenverstand ist nur die Summe aller Vorurteile, die einem in der Kindheit eingebleut worden sind.


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