Die Anarágdes und die sechs Kirchen in Panagía (Kásos)
Verfasst: Mi 22. Jul 2026, 09:07
Gründungsmythen von Kirchen auf Kásos ; Nr. 3
Im Ort Panagía auf Kásos befinden sich am südlichen Ortsrand sechs aneinander gebaute Kirchen: Agios Charálambos, Megálos Antónios, Agia Kára, Agia Varvára, Agios Ioánnis und Agios Nikólaos. Die Volksüberlieferung bringt ihre Erbauung in einen Zusammenhang mit der Vertreibung von Aranádes (Nereiden).
Die Anarágdes oder Aranádes (Nereiden) sind die bekanntesten übernatürlichen Wesen in der Überlieferung von Kárpathos und Kásos. Sie sind von außergewöhnlicher Schönheit und leben gewöhnlich gruppenweise zusammen in einsamen Gegenden, in Flüssen, Höhlen und Wäldern. Erkennbar sind sie an ihrem Esels- oder Ziegenfuß. Sie sind nachts unterwegs und lieben die Lieder und den Tanz.
Eines Abends kam L. von Póli [Ort auf Kásos] von einem Fest mit seiner Lyra unter dem Arm. Als er schon nahe bei seinem Dorf Panagía war, sah er sechs Aranádes, die sich an den Händen hielten und tanzten und in ihrer Mitte war auch der „Stachel der Araná“. Er wollte sich verstecken, doch sie bemerkten, dass er eine Lyra dabei hatte, und sie nahmen ihn in ihre Mitte, damit er ihnen zum Tanz aufspielte.
Da sie ihn schon erwischt hatten, dachte L., es wäre besser, ihnen den Gefallen zu tun, damit sie ihm nicht übel mitspielten, und er hatte immer auch die Hoffnung, dass es bald tagen würde und er dann davonkommen könnte. Er stimmte also seine Lyra und spielte für sie, und sie tanzten und mittendrin tanzte auch der „Stachel“ völlig ausgelassen.
Der Lyraspieler gehörte zu den berühmten und der „Stachel“ wollte ihn mit sich nehmen. Sie fragte also die anderen Anarádes „soll ich ihn stechen oder soll ich ihn nicht stechen“, das heißt: soll ich ihn mit meinem Stachel stechen und ihn so auch zu einer Araná machen oder soll ich ihn nicht stechen? Da krähte plötzlich ein Hahn! Als das die Aranádes hörten, verschwanden sie.
Der Lyraspieler bekreuzigte sich, dass er so glimpflich davongekommen war, und danach bauten sie die sechs Kirchen, um die Aranádes auszutreiben, und jedes Mal, wenn sie eine Kirche gebaut hatten, verschwand eine Araná, bis dann alle sechs verschwunden waren. Deshalb wurden die sechs Kirchen in Panagía erbaut und sie stehen dort noch immer.
Zuerst auf deutsch veröffentlicht in: Märchen aus Karpathos und Kasos / herausgegeben und übersetzt von Markus List. -1. Auflage. - Hamburg : Edition Kentavros, 2024. - S. 72
Eine Überlieferung über den Bau des Klosters Ai Giórgis in Chadiés (Gründungsmythen von Kirchen auf Kásos ; Nr. 4) wurde in der Fotopedia veröffentlicht und kann dort nachgelesen werden:
https://fotopedia.de/?page=Tourismus&se ... is-chadies
Im Ort Panagía auf Kásos befinden sich am südlichen Ortsrand sechs aneinander gebaute Kirchen: Agios Charálambos, Megálos Antónios, Agia Kára, Agia Varvára, Agios Ioánnis und Agios Nikólaos. Die Volksüberlieferung bringt ihre Erbauung in einen Zusammenhang mit der Vertreibung von Aranádes (Nereiden).
Die Anarágdes oder Aranádes (Nereiden) sind die bekanntesten übernatürlichen Wesen in der Überlieferung von Kárpathos und Kásos. Sie sind von außergewöhnlicher Schönheit und leben gewöhnlich gruppenweise zusammen in einsamen Gegenden, in Flüssen, Höhlen und Wäldern. Erkennbar sind sie an ihrem Esels- oder Ziegenfuß. Sie sind nachts unterwegs und lieben die Lieder und den Tanz.
Eines Abends kam L. von Póli [Ort auf Kásos] von einem Fest mit seiner Lyra unter dem Arm. Als er schon nahe bei seinem Dorf Panagía war, sah er sechs Aranádes, die sich an den Händen hielten und tanzten und in ihrer Mitte war auch der „Stachel der Araná“. Er wollte sich verstecken, doch sie bemerkten, dass er eine Lyra dabei hatte, und sie nahmen ihn in ihre Mitte, damit er ihnen zum Tanz aufspielte.
Da sie ihn schon erwischt hatten, dachte L., es wäre besser, ihnen den Gefallen zu tun, damit sie ihm nicht übel mitspielten, und er hatte immer auch die Hoffnung, dass es bald tagen würde und er dann davonkommen könnte. Er stimmte also seine Lyra und spielte für sie, und sie tanzten und mittendrin tanzte auch der „Stachel“ völlig ausgelassen.
Der Lyraspieler gehörte zu den berühmten und der „Stachel“ wollte ihn mit sich nehmen. Sie fragte also die anderen Anarádes „soll ich ihn stechen oder soll ich ihn nicht stechen“, das heißt: soll ich ihn mit meinem Stachel stechen und ihn so auch zu einer Araná machen oder soll ich ihn nicht stechen? Da krähte plötzlich ein Hahn! Als das die Aranádes hörten, verschwanden sie.
Der Lyraspieler bekreuzigte sich, dass er so glimpflich davongekommen war, und danach bauten sie die sechs Kirchen, um die Aranádes auszutreiben, und jedes Mal, wenn sie eine Kirche gebaut hatten, verschwand eine Araná, bis dann alle sechs verschwunden waren. Deshalb wurden die sechs Kirchen in Panagía erbaut und sie stehen dort noch immer.
Zuerst auf deutsch veröffentlicht in: Märchen aus Karpathos und Kasos / herausgegeben und übersetzt von Markus List. -1. Auflage. - Hamburg : Edition Kentavros, 2024. - S. 72
Eine Überlieferung über den Bau des Klosters Ai Giórgis in Chadiés (Gründungsmythen von Kirchen auf Kásos ; Nr. 4) wurde in der Fotopedia veröffentlicht und kann dort nachgelesen werden:
https://fotopedia.de/?page=Tourismus&se ... is-chadies