Wandertage auf Kassos im Mai

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Sirtos
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Wandertage auf Kassos im Mai

Beitrag von Sirtos »

Geplant war es schon länger, aber dieses Frühjahr hat es nun endlich geklappt mit dem Wiederbesuch von Kassos (ich hoffe, das ist ok hier im Unterforum - Karpathos und Kassos gehören ja irgendwie zusammen).

Der letzte Besuch auf Kassos lag 18 Jahre zurück, aber eigentlich hat sich nicht so viel geändert (also im Vergleich zu anderen griechische Inseln). Mitte Mai ist es noch sehr entspannt und ruhig auf Kassos.
Vor allem wollte ich auf den Kasos Trails wandern. Dazu hatte ich reichlich Gelegenheit. Und habe eigentlich nie andere Wanderer unterwegs getroffen (außer am letzten Tag, aber das waren eher Spaziergänger, und auf der Straße).

Teil 1 meiner Kassos-Berichte ist jetzt online:
https://www.nissomanie.de/dodekanes/kas ... ch-kassos/
Grüßle,
Sirtos
Karpathiote
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Re: Wandertage auf Kassos im Mai

Beitrag von Karpathiote »

Ergänzend zu dem Bericht von Sirtos hier noch ein Reisebericht vom Mai 2019, der zuerst in "NeaFoni", Jg. 9, Ausg. 20, Juni 2020, S. 30-35 veröffentlicht worden ist.

Kasos - „Olo to nisi ine kalesmeno“
von Markus List

Mai 2019. Kurz nach 9 Uhr fährt die „Kasos Princess“ in den Hafen von Pigádia, der Hauptstadt von Kárpathos, ein. Der Kapitän Giórgos Manoúsos hat die Kasos Princess selbst gebaut – die Kasioten haben eine lange Tradition als Schiffsbauer und Seefahrer – und stellt mit seiner Jacht die Verbindung zwischen Kásos und Kárpathos her. Auch seine beiden Söhne sind mit an Bord, sie helfen beim Anlegen, verstauen das Gepäck und kontrollieren die Tickets. Außer mir und meiner Frau wartet noch ein weiteres Ehepaar darauf, nach Kásos übergesetzt zu werden, außerdem rund 60 Schülerinnen und Schüler des Lyzeums von Pigádia. Sie haben heute ihren Ausflugstag und werden die kleine Nachbarinsel Kásos erkunden. Viele von ihnen kennen Kásos noch nicht, obwohl die Insel nur 3 Seemeilen von Kárpathos entfernt liegt. Am späten Nachmittag werden sie mit der Kasos Princess nach Kárpathos zurückkehren, wir hingegen wollen uns fünf Tage Zeit zur Erkundung der Insel nehmen.

Nach eineinviertel Stunden legen wir im Fährhafen der Inselhauptstadt Fry an und beziehen unsere Unterkunft. Schon bei der Anfahrt auf Fry richtet sich der Blick auf die Kirche Agios Spyrídonas, die über dem malerischen kleinen Fischerhafen „Boúka“ liegt. Auf Kásos leben ganzjährig etwa 1.000 Menschen. Es gibt fünf Dörfer, die alle im Nordteil der Insel nah beieinander liegen und alle zu Fuß erreichbar sind. Am belebtesten ist Fry, wo es mehrere Tavernen und Kafeneia, Hotels, eine Bibliothek und eine Post gibt. Obwohl es laut unserem Vermieter keine Kriminalität auf Kásos gibt, hat es auch eine Polizeistation: wir sehen den Inselpolizisten mit seinem Motorrad an uns vorbeifahren – ohne Helm natürlich …
Lohnenswert ist in Fry auch ein Besuch des Museums, wo archäologische Fundstücke der Insel zu besichtigen sind. Der untere Raum zeigt eine traditionelle kasiotische Wohnstube mit Soufá (Schlafempore), Haushaltsgeräte und Waffen. Der Eintritt ist kostenlos. Bei unseem ersten Spaziergang durch Fry fallen uns zwei Dinge sehr positiv auf: wir werden von jedem Bewohner freundlich gegrüßt und es liegt nirgends Abfall herum; Kásos ist ein Vorbild, was Sauberkeit betrifft.
In 500 m Entfernung von Fry liegt der alte Hafenort Emboriós mit weiteren Restaurants, die allerdings Anfang Mai noch geschlossen waren. In Emboriós gibt es einen Badestrand mit Tamarisken; die dortige Panagiakirche wird derzeit renoviert.
Die frühere Hauptstadt der Insel, Agia Marína, liegt oberhalb von Fry, auch hier gibt es Einkehrmöglichkeiten. Am südlichen Ortsende führt an der Kirche Agios Fanoúrios vorbei ein Weg zur Höhle Ellinokamára, die etwa 10 Gehminuten vom Ort entfernt liegt. Diese Höhle ist auch begehbar, die Vorderfront ist fast bis oben mit großen Steinblöcken aus dorischer Zeit verschlossen. Die Höhle war damals eine Kultstätte und diente später bei Gefahrensituationen als Schutzraum für die Bevölkerung. Für Höhlenfreunde gibt es eine weitere begehbare Höhle mit Stalagmiten und Stalaktiten, die Stylokamára. Man erreicht sie von Fry aus auf der Straße nach Agios Geórgios tis Chadiés. Nach rund 3 km führt nach einer Rechtskurve ein Feldweg rechts hinauf zum Profítis Ilías, der nach 1 km Anstieg erreicht wird und eine herrliche Sicht auf die Inseldörfer bietet. Wenn wir diesem Feldweg nur 500 m folgen, erreichen wir auf der linken Seite ein Ziegengehege. Dort steht ein Wegweiser zur Stylokamára; wir verlassen den Feldweg nach links, gehen um das Ziegengehege herum und biegen danach rechts ab. Wir gehen an der Trockensteinmauer entlang und an ihrem Ende geradeaus leicht bergab etwa 400 m weiter. Kurz vor der Höhle steigt der Wanderweg wieder etwas an, bevor wir scharf nach links abbiegen und nach 20 m den Höhleneingang erreichen. Zur Besichtigung der Höhle sollte man eine Taschenlampe bei sich haben. Und Vorsicht: in der Höhle halten sich auch Ziegen auf!

Für die Fahrt von Fry zum Kloster Agios Geórgios tis Chadiés und zum Strand Chélatros ganz im Süden der Insel haben wir bei der einzigen Autovermietung in Fry ein Auto gemietet; die einfache Strecke beträgt 16 km, das war uns zu weit, um zu Fuß dorthin zu gehen. Am Chélatros-Strand steht eine Statue von Elefthérios Venizélos, der im März 1935 auf seinem Weg in die Verbannung hier auf Kásos Halt gemacht hat.
Zum Kloster Agios Mámas im Nordosten von Kásos sind wir von Fry aus hingewandert. Dabei haben wir unterwegs den ruhigen Ort Panagía mit den „Exi Ekklisíes“ (6 Kirchen) besichtigt. Der oberhalb davon liegende Ort Póli wurde 1912 bei einem Erdbeben zerstört und danach wieder neu aufgebaut. Hier haben wir eine Vesperpause bei der beeindruckenden Agia-Triáda-Kirche gemacht und hatten das Glück, dass die Mesnerin vorbeikam und uns die Kirche aufgeschlossen hat. Vom Agios Mámas aus hat man einen herrlichen Blick auf das Libysche Meer, unten direkt vor der Küste fallen drei Felsen ins Auge: der Volkssage nach waren das einst Piratenboote, die dank der Bitten eines Mönches zu Felsen verwandelt wurden. Von der zum Agios Mámas hochführenden Straße geht kurz vor dem höchsten Punkt eine Abzweigung nach links zur Kirche Agia Kyriakí ab; die Aussicht von dort oben sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.
Mehrmals haben wir von Fry aus einen 20minütigen Spaziergang in den Nachbarort Arvanitochóri unternommen. Die Kirche Agios Dimítrios im Süden des Ortes wurde 1864 gebaut. Im Kafenion „I Maroúkla“ am Dorfplatz lohnt sich ein Blick ins Innere; der freundliche Wirt Níkos zeigt gern seine Sammlung historischer Gegenstände an den Wänden: ein zur Käseherstellung verwendetes Rührgerät, ein Hirtenstock, ein traditioneller Hirtenvesperbeutel und anderes mehr. Auf den Holzleisten an den Wänden sind unzählige Teller und Becher aufgereiht.

Eine schöne, aber dem Wind ausgesetzte Wanderung führt von Fry aus am kleinen Flughafen vorbei. Am Ende der Landebahn befindet sich auf der linken Seite die Kirche Agios Geórgios tis Vrýsis, aus der tatsächlich ein kräftiger Wasserstrahl herausströmt. Die Straße führt an der Westküste entlang weiter zum Strand Ammoúa, zur Kirche Agios Konstantínos und zum Strand und Denkmal bei Antipératos. Das Denkmal erinnert an den von den Kasioten als „Holocaust“ bezeichneten Überfall einer türkisch-ägyptischen Armada am 7. Juni 1824, bei dem alle waffenfähigen Männer umgebracht und die Frauen und Kinder versklavt wurden. Kásos hatte zu dieser Zeit ungefähr 7.000 Einwohner; es handelt sich um das tragischste Ereignis in der langen Geschichte von Kásos. In Antipératos endet dann auch die Westküstenstraße, man geht einen Kilometer zurück und wandert dann rechts hinauf nach Agia Marína.
Bei den Wandeungen auf Kásos fallen die vielen Windmühlen auf. Der Schriftsteller und Historiker Michális K. Skouliós hat in seinem Buch „Οι ανεμόμυλοι και τα αλλεττουργειά της Κάσου” (Die Windmühlen und Ölpressen auf Kásos), erschienen 2001, eine Bestandsaufnahme aller erhaltenen oder im Verfall begriffenen Windmühlen gemacht. Danach gab es 1999 auf Kásos 58 Windmühlen. Im Unterschied zu den Windmühlen der Nachbarinsel Kárpathos, die hufeisenförmig sind, haben die Windmühlen auf Kásos allerdings eine kreisrunde Form.

Eines Abends treffen wir in der Taverne „I oréa Boúka“ in Fry einen älteren Griechen, mit dem wir ins Gespräch kommen. Er hat in Wien studiert und lädt uns zu einer Veranstaltung zwei Tage später in der Bibliothek ein. Es handelt sich um eine Gedenkveranstaltung für den kasiotischen Kapitän und Dichter Dimítrios I. Antoníou, der am 4. Februar 1994 verstorben ist und dessen Gebeine seinem Wunsch gemäß auf seiner Heimatinsel ruhen sollten. Wir nehmen die Einladung gerne an und hören so die Vorträge der Bürgermeisterin von Kásos, Maíri Sorótou-Tsanáki, und von anderen Rednern. Die Bedeutung von D. I. Antoníou wird dabei mit der von Seféris und Elýtis verglichen, der Dichter ist aber weniger bekannt, da seine Gedichte nie vertont wurden. Für seine Werke „Indíes“ und „Tánka“ wurde er jeweils mit dem staatliche Poesiepreis ausgezeichnet.
Mehrfach wurden wir von Kasioten auf eine Hochzeit am Samstagabend hingewiesen und ausdrücklich dazu eingeladen: „Ólo to nisí íne kalesméno“ - Die ganze Insel ist eingeladen. Schon am Nachmittag hörte man von der Terrasse der Familie des Bräutigams kasiotische Musik mit Lyra und Laute. Am Abend wurde der Bräutigam samt Familie und Musikern vom Vater der Braut abgeholt und zum geschmückten Haus der Braut geführt. Da die Hochzeit in der Kirche Agios Dimitrios in Arvanitochóri stattfand, fuhren alle mit Hupkonzert von Fry dorthin. Nach der Trauung versammelten sich alle im Mégaron oder ums Mégaron herum. An ausgewählte Männer wurden dann Schürzen verteilt – die wenigen Touristen nicht ausgenommen. Die Schürzenträger hatten die ehrenvolle Aufgabe, sich zu einer Menschenkette aufzustellen und die Teller mit dem traditionellen Hochzeitsessen von Hand zu Hand aus der Küche an die Gäste zu verteilen. Nach dem Essen wurde zu Livemusik bis zum frühen Morgen getanzt. Für uns war es ein schönes Erlebnis und die Schürze habe ich in der Reisetasche auch noch untergebracht …

Am Morgen unserer Abfahrt mit der Kasos Princess nach Kárpathos trinken wir im Eckcafé bei Eléni noch einen Kaffee. Eléni spendiert uns noch Mizithrapiten zum Abschied …

Unser Fazit: Urlaub auf Kásos ist Urlaub unter Griechen. Gastfreundschaft wird hier großgeschrieben. Und die Einwohner freuen sich über jeden, der zu ihnen kommt. Die Bürgermeisterin von Kásos würde es selbstbewusst folgendermaßen ausdrücken: „Kásos ist nicht das Ende der Ägäis. Kásos ist der Anfang“.

Zuerst veröffentlicht in:
NeaFoni, Jg. 9, Ausg. 20, Juni 2020, S. 30-35.


Ein sehenswerter Film über die Insel Kasos aus dem Jahr 1957 von Nìkos Karakóstas findet sich hier:
https://www.youtube.com/watch?v=W6vkM81t5RA
Sirtos
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Re: Wandertage auf Kassos im Mai

Beitrag von Sirtos »

Da kam mir jetzt einiges bekannt vor ... signomi für mögliche Doppelungen.

Am zweiten und dritten Tag war ich auf den Kasos Trails 7, 4 und 5 unterwegs:
https://www.nissomanie.de/dodekanes/kassos/wanderungen/

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Im Mai 2026 ware es noch sieben Wandertrails (mit einer Variante 1a), gerade sind drei neue Trails (8,9 und 10) und drei Varianten (3a, 4a und 6a) dazugekommen.
https://kasostrails.gr/hiking/
Grüßle,
Sirtos
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