Gründungsmythen von Kirchen auf Kásos ; Nr. 2
Auf Kásos, der Nachbarinsel von Kárpathos, gibt es laut der Webseite kasos.gr 102 Klöster, Kirchen und Kapellen. Viele davon liegen in Gegenden mit bezaubernder Aussicht, z.B. die Agia Kyriakí, das Kloster Agios Mámas oder die Kapelle Profítis Ilías. Zu vielen Kirchen auf Kásos gibt es Volksüberlieferungen, wie es zu dem Bau der Kirchen gekommen ist. In loser Folge sollen hier im Karpathos-Forum solche Gründungsmythen von Kirchen auf Kásos vorgestellt werden. Als Nr. 1 der Folge kann der Beitrag zur Entstehung der Panagía-Kirche in Emboriós angesehen werden:
https://karpathos-forum.de/viewtopic.php?t=3018
Hier soll jetzt auf die Entstehung der Panagía Potamítissa bei Arvanitochóri eingegangen werden.
Vom Dorfplatz beim Kafenion „I Maroúkla“ in Arvanitochóri (Kásos) verlassen wir den Ort in südlicher Richtung. Am Ortsende wird die Gasse zum Feldweg, wir gehen immer geradeaus weiter, anfangs an Oliven-, Mandel- und Feigenbäumen vorbei. Der Weg wendet sich dem ausgetrockneten Bachbett des „Skyllás“ folgend leicht ansteigend etwas nach links.
Nach etwa 30 Minuten kennzeichnet ein blaues Kreuz an einem Felsen den Beginn des Fußpfades, der auf der linken Seite des Bachbetts in wenigen Minuten zum Kirchlein Panagía Potamítissa hochführt.
Die Panagía Potamítissa, die in der Verkleinerungsform auch Potamissoúla genannt wird, hat ihr Kirchenfest am 21. November, denn bis dahin haben die Bauern noch auf ihren Feldern zu tun. Nach Erzählungen älterer Kasioten hat etwa um 1840 oder 1845 ein Hirte namens Kostaroúlis im Gebiet des ausgetrockneten Baches „Skyllás“ nach einer Ziege gesucht, die in jenen Tagen zur Welt gekommen war. Der Hirte wurde durch ihr Meckern zufällig zu der verborgenen Höhle geführt, die einige Schritte oberhalb des Bachbetts liegt. Damals war das ganze Gebiet von Büschen und Gesträuch überwuchert und nur schwer zugänglich. In der Nähe des vermissten Tieres erblickte er auf einem Felsvorsprung der Höhle die Ikone der Panagía. Vermutlich hatten welche der hunderten verschreckten und erschöpften Menschen, die sich in den Höhlen und Schluchten der Berge versteckt hielten, um dem fürchterlichen Blutvergießen nach der Landung von Hussein Bey (1824) mit den 2000 Arabern und Albanern zu entkommen, sie dort vergessen. Kostaroúlis brachte die Ikone in sein Haus nach Arvanitochóri, um ihr zusammen mit den anderen Ikonen die Kerze anzuzünden. Am nächsten Tag war die Ikone der Panagía aus seinem Haus verschwunden und in die Höhle zurückgekehrt, dorthin, wo er sie gefunden hatte … Das wiederholte sich zwei oder drei Mal. Er sprach mit seinen Dorfgenossen darüber. Diese meinten zu ihm, die Panagía wollte ihr eigenes Haus haben und nicht das seinige! So beschlossen die Bewohner von Arvanitchóri, loszugehen und den Eingang zur Höhle von den Büschen und dem Gestrüpp zu befreien und mit Trockensteinen einen Höhleneingang hochzumauern. Also die Höhle am Berghang umzubauen zu einer Kapelle und die Ikone der Panagía dort aufzustellen. Als sie aber versuchten, die Mauer bis zur Spitze der Höhle hochzuziehen und den Eingang ganz abzuriegeln, stürzte die Mauer von der Mitte bis oben zusammen … Das wiederholte sich einige Male, bis sie überlegten, es sei wohl der Wunsch der Panagía, dass der Zugang der Höhle nur halbfertig gebaut werde, so dass die Panagía von dort aus den Bach im Auge behalten könnte … Die Kapelle nannten sie «Panagía der Potamítissa» wegen dem Bach Skyllás [griechisch potamós = Fluss, Bach]. Um die Kirche für Gottesdienste nutzen zu können, bauten sie aus Steinen und Holz einen Altarraum und einen Altar. An der halbhohen Mauer brachten sie ein hölzernes Kreuz an und bestrichen es mit Kalkfarbe, damit man es gut erkennen konnte.
Nach einem Bericht von Μιχάλης Κ. Σκουλιός ins Deutsche übersetzt von Karpathiote:
https://kasosnews.wordpress.com/2013/11 ... το-σκυλλά/
Die Potamítissa bei Arvanitochóri (Kásos)
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Re: Die Potamítissa bei Arvanitochóri (Kásos)
Vielen Dank für den Bericht und das du dir Mühe machst es zu übersetzen. 
Gruß Schängel Koblenz
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